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Die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung berichtete im März und Dezember 2018 über das Wohnprojekt.


Das Wohnprojekt

Die Gesellschaft befindet sich im Wandel. Nahezu jeder Lebensbereich ist betroffen. Was wäre ein besserer Zeitpunkt für eine Zäsur als das mit dem 60. Geburtstag beginnende letzte Lebensdrittel? Es ist an der Zeit, sich selbst zu fragen, wie will ich ganz persönlich auf die Erfordernisse der derzeitigen Entwicklung reagieren. Wie möchte ich künftig leben und wohnen, in Anbetracht

• des demografischen Wandels sowie beschränkter Hilfsmöglichkeiten innerhalb der Familie infolge entfernter Wohnorte,

• damit einhergehender Risiken für soziale Isolation oder Vereinsamung,

• mangelnder Betreuungsangebote für Kinder außerhalb der Einrichtungen, wenn die Großeltern nicht um die Ecke wohnen,

• veränderter Versorgungsstrukturen und Ausdünnung des Streckennetzes im Bereich des ÖPNV und nicht flächendeckender Betreuungsmöglichkeiten für ältere, kranke Menschen.

 

Es gibt viele Menschen um mich herum in ähnlichen Situationen. In privater Eigeninitiative organisiere ich deshalb eine Wohnform, die versucht Antworten auf  diese Fragen zu geben. Im Mittelpunkt stehen vier Kerngedanken, die sich durch die gesamte Planung dieses Wohnprojektes ziehen:  Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit, Gemeinsamkeit und Konzentration auf das Wesentliche. „Weniger ist mehr“, zur Erlangung einer hohen Wohnqualität, die sich nicht ausschließlich am äußeren Erscheinungsmerkmalen orientiert, sondern ein gesundes, nachhaltiges Wohnen fördert.

 

Das Zusammenleben –und der Gedanke des Miteinanders zum gegenseitigen Vorteil

 

Es gibt viele Ursachen dafür, dass sich Menschen nach mehr Gemeinsinn sehnen. Verlässliche soziale Verankerungen sind eine Art Zukunftssicherung, gemeinsame Gestaltungsmöglichkeiten im Wohnumfeld bringen mehr Chancen für den Einzelnen hervor, in freundschaftlich verbundener Nachbarschaft kann man soziale Kontakte pflegen. Gemeinschaft fördert nachweislich Gesundheit und geistige Fitness. Generationen können voneinander profitieren. Wie gestaltet man aber Gemeinschaft? Die Frage darf nicht sein: Privatheit versus Gemeinschaftlichkeit, sondern wie können beide Zustände ausgewogen gelebt werden?

 

Es gibt eine Vielzahl von Projekten ähnlicher Art, die vorrangig in den westlichen Bundesländern angesiedelt sind. Umstände, Bauten, Architektur, Akteure, Nutzer sind höchst unterschiedlich und kaum vergleichbar. Allen gemein ist der Wunsch nach einer verbindlichen Nachbarschaft, nach Gemeinsinn, dem Wunsch, das soziale Umfeld selbst zu gestalten. Hierfür bedarf es aber immer eines Regelwerkes. Genau hier wird es schwierig. Wir Ossis wissen jedoch, wie gemeinschaftliches Wohnen funktionieren kann. Die zentrale Frage muss lauten, wie viel möchte ich einbringen in die Gemeinschaft, ohne aufzurechnen. Die Gewissheit, dass immer einer bereit ist zu helfen, gibt Sicherheit und weckt den Anspruch sich einzubringen. Vertrauen wächst durch gemeinschaftliche Tätigkeiten, durch verbindliche Absprachen, durch einen ehrlichen, offenen, respektvollen Umgang miteinander, durch gemeinsame Freizeitaktivitäten, beim Feiern, beim Erfahrungsaustausch, vielleicht sogar beim Teilen, Ausleihen oder Schenken. Das Wohndorf sollte für jegliche Formen des Miteinanders offen sein.

 

Die Bewohner

 

Es können junge Familien mit und ohne Kinder sein, Paare, Alleinstehende jeder Altersgruppe, Senioren. Junge Familien, die bauen möchten ohne sich unverhältnismäßig verschulden zu müssen, die für ihre Kinder ein gesundes, kinderfreundliches und verlässliches Umfeld mit nachbarschaftlichen Hilfsmöglichkeiten wünschen. Ältere Paare oder Alleinstehende, denen das eigene Haus inzwischen zu groß geworden ist, die Erleichterung im Alltag wünschen ohne die Vorzüge von Wohneigentum aufzugeben.

 

Das Haus

 

Führt man den Gedanken des sparsamen Umgangs mit materiellen und finanziellen Ressourcen, einer modernen, zukunftsträchtigen, klima- und gesundheitsfördernden Gebäudeausstattung konsequent zu Ende, sollte das Haus folgende Kriterien erfüllen:

 

• geringe Baukosten, rasche Realisierung und kurze Bauphase,

• Verarbeitung bestmöglicher, nachhaltiger Baustoffe ohne belastende Stoffe,

• individuelle Planung, auch die die Anforderungen an die Barrierefreiheit betreffend,

• geringster Wartungsaufwand, minimale Kosten in der Unterhaltung,

• hoher Wärmeschutz, sorgfältige Winddichtung der Gebäudehülle,

• wenig umbauter Raum, also Flachdach ohne Keller zur Schonung der Ressourcen,

• hocheffizientes Heizsystem ohne Einsatz von fossilen Brennstoffen,

• niedrige Energiebilanz und minimale Heizkosten durch hervorragende Wärmedämmung bis hin zum Passivhausstandard.

 

Ein Haus, das all diesen Anforderungen genügt, gibt es. Es ist ein Modul-Haus aus Holz im Bungalowstil zu 95 % im Werk vorgefertigt, flexibel durch unzählige Varianten der Anordnung einzelner Module . Es kann an einem Tag errichtet und wieder versetzt werden. Wir haben uns das Haus mit  Sachverständigen angeschaut und es hat uns in jeder Hinsicht überzeugt. 

 

Es ist ein barrierearmes Haus, das alle Vorteile wirtschaftlichen Bauens bündelt, welches preislich unschlagbar ist. Es strahlt Klarheit und Bodenständigkeit aus und fügt sich deshalb in unterschiedliche Wohngegenden ein. Es ist praktisch eine Wohnung in Gestalt eines Hauses. Es bietet Spielraum für individuelle Gestaltungswünsche und verspricht ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Wohnraum bis hin zum Pflegefall. Selbst die Anordnung eines Anbaus als separater Wohnraum für eine Pflegekraft wäre möglich.

 

Eine Siedlung mit diesen Häusern ist geprägt von einem geschlossenen, homogenen Erscheinungsbild und bietet sowohl Möglichkeiten für gemeinsame Begegnungen als auch für den Rückzug in die eigenen vier Wände. Es ist keinesfalls verpflichtend, sich genau für dieses Haus zu entscheiden. Allerdings habe ich nichts Vergleichbares bisher gefunden, was die Kosteneffizient, Nachhaltigkeit, Energiebilanz und Funktionalität betrifft.

 

 

Der Anfang ist gemacht

 

Das 8500 m² große Grundstück mit neun Parzellen steht zur Verfügung, zwei Parzellen sind bereits vergeben. Die Erschließung ist abgeschlossen und damit kann die Bebauung beginnen.  Neu: Es werden auch Häuser nach Ihren Wünschen zur Miete gebaut.

Wir schreiben das Jahr 2020. Am 16. Mai um 23:30 war es dann soweit. Das Modulhaus kam auf Rädern angerollt. Am nächsten Tag kam der Kran und setzte die beiden Teile auf die Bodenplatte. Pfingst-Montag zogen wir ein. Nun kann es als Musterhaus besichtigt werden.

Die soziale Ausrichtung des Quartiers soll auch eine ausstrahlende Wirkung auf das umliegende Wohngebiet haben und offen sein für andere Bewohner Zittaus.

 

Dr. Christine Schneider

 


Preise

Für das Projekt "In Zittau gemeinsam, schöner Wohnen" erhielt Dr. Christine Schneider im Dezember 2018 den 3. Preis beim Engagement-Preis des Landkreises Görlitz im Bürgersaal des Zittauer Rathauses.